Lebenszykluskosten berechenbar machen
Nicht nur die Anschaffungskosten zählen: Für Käufer von Produktionsmaschinen rücken zunehmend die Folgekosten, die im Lebenszyklus einer Maschine auftreten, als Kriterium einer Kaufentscheidung in den Vordergrund. Maschinenhersteller sind daher immer häufiger gezwungen, mit dem Angebot verbindliche Zusagen über Lebenszykluskosten und Verfügbarkeiten ihrer Produkte abzugeben. Gerade mittelständische Maschinenbau-Unternehmen betrachten jedoch Verträge, in denen definierte Kostenelemente garantiert werden müssen, als immenses finanzielles Risiko. Ein Forschungsteam der Universität Karlsruhe hat jetzt in einem Stiftungsprojekt eine mittelstandstaugliche Berechnungsmethodik für Lebenszykluskosten von Maschinen und Anlagen entwickelt.
Viele kleine und mittlere Unternehmen sind auf die Forderung ihrer Kunden, Lebenszykluskosten und Verfügbarkeiten zu garantieren, alles andere als gut vorbereitet. Das beginnt bei den verfügbaren Lebenszyklusdaten der Produkte, die in der Praxis häufig genug lückenhaft sind. Zudem mangelt es an praktikablen Methoden zur Prognose der Lebenszykluskosten. Große Schwierigkeiten bereitet zudem die realistische Abschätzung der Risiken. Erschwerend kommt schließlich hinzu, dass es eine Vielzahl kundenspezifischer Lebenszykluskosten-Konzepte gibt, die sich in den betrachteten Kennwerten deutlich unterscheiden. Die Folge: Für jeden Kunden müssen die Maschinenhersteller gesonderte Berechnungsgrundlagen anwenden.
Ein Forschungsteam der Universität Karlsruhe unter der Leitung von Professor Jürgen Fleischer, Dr. Gisela Lanza und Dipl.-Ing. Marc Wawerla hatte sich daher das Ziel gesetzt, eine mittelstandstaugliche Berechnungsmethodik für Lebenszykluskosten im Maschinenbau zu entwerfen. Für die prognostizierten Kostenwerte sollte zudem eine fundierte Risikoabschätzung zur Verfügung gestellt werden.
Als Ergebnis ihrer Forschungsarbeiten präsentierten die Karlsruher Forscher in ihrem Abschlussbericht folgende Elemente:
- eine Praxisstudie zu aktuellen Lebenszykluskosten-Verträgen, in der das Einkaufverhalten und die Anforderungsprofile verschiedener großer Maschinenbetreiber analysiert werden
- eine darauf basierende Strukturierung der Lebenszykluskosten-Elemente. Dieser Schritt erschien dem Karlsruher Team notwendig, da die bisherigen Standards aus Sicht der Betreiber - also der Käufer von Maschinen - aufgestellt wurden. Die Zusammenarbeit des Forschungsteams mit dem LCC-Arbeitskreis des VDMA bot die Möglichkeit, die Arbeitsergebnisse direkt in einen Standard, der die Sicht der Anbieter aus dem Maschinen- und Anlagenbau vertritt (VDMA Einheitsblatt 34160), einfließen zu lassen.
- den Aufbau eines Software-Tools, das aus den Anforderungen der Unternehmen abgeleitet ist und das den Angebotserstellungsprozess möglichst vollständig abbilden soll. Leichte Bedienbarkeit und ein hoher Grad an Automatisierung gehörten zu den Grundanforderungen an die Software. Das Tool ermöglicht es, Risiken aus Lebenszyklus-Verträgen schon während der Angebotserstellung zu erkennen und in die Preis- und Vertragsgestaltung einzubringen.
Insgesamt hat sich in dem Projekt durch Befragungen und Experten-Workshops gezeigt, dass das Thema „Lebenszykluskosten“ zunehmend an Bedeutung gewinnt. „In Zukunft dürften die Anforderungen an die Maschinenhersteller weiter steigen, weil viele Betreiber von Produktionsmaschinen sich noch in der Pilotphase ihrer Lebenszyklus-Konzepte befinden“, meint Marc Wawerla.
Als weiterführende Informationen zum Projekt stehen für Sie bereit:
der Abschlussbericht zum Download: LCC_ViLMA_Abschlussbericht_2007.pdf
